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Machbarkeitsstudie Shared Space in Calau

Das Projekt Shared Space ist ein Projekt der Europäischen Union, das durch das europäische Programm Interreg III B North Sea gefördert wird. Es wird zurzeit von sieben Partnern in Europa durch lokale Projekte mit Leben gefüllt. Das bisher einzige deutsche Projekt wurde in Bohmte umgesetzt.
Daran beteiligt sich auch das Land Brandenburg und hat durch das Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung (MIR) für drei Gemeinden die Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie ausgelobt. Die Stadt Calau hat sich mit der Cottbuser Straße dafür beworben und wurde als eine von drei Kommunen ausgewählt.
Die Stadt möchte das Modellprojekt nutzen, die wesentlichen Grundfragen zur Umgestaltung des Ortskerns entlang der Cottbuser Straße zu beantworten. Anlass der Planung sind die beabsichtigte Maßnahmen und Handlungserfordernisse: die Neugestaltung der Cottbuser Straße, die Anpassung der angrenzenden Straßen und Plätze, der Verkehr muss neu geordnet werden, die innerstädtische Einzelhandelssituation soll verbessert werden.
Der Projektansatz von Shared Space, die städtebauliche Planung und Verkehrsplanung vor Ort eng zu verknüpfen, ist durchaus sinnvoll. Für diese innerstädtisch bedeutsame öffentliche Verkehrsfläche ist eine beruhigte Mischfunktion zugedacht.
Bislang liegen noch keine wissenschaftlich begleiteten Erfahrungen mit vergleichbaren verkehrsberuhigten Bereichen vor. Aus diesem Grund soll in einer Machbarkeitsstudie am konkreten Beispiel die Realisierungsmöglichkeiten für Shared Space erörtern werden, insbesondere auch hinsichtlich der städte- und straßenbaulichen Lösungsmöglichkeiten sowie der Finanzierungsmöglichkeiten.
Auf der Grundlage der Machbarkeitsstudie können die Kommunen das Projekt in eigener Verantwortung und Finanzierung planerisch und baulich umsetzen. Das MIR begleitet die Kommunen fachlich und unterstützt die Kommunen im Rahmen seiner finanziellen Fördermöglichkeiten, kann aber nicht selbst Projektträger sein.
In keinem Verkehrsraum bewegen sich so viele unterschiedliche Verkehrsteilnehmer wie in der Innenstadt: Fußgänger, Radfahrer, Kinder, Rollstuhlfahrer, Auto- und Lkw-Fahrer, Busse und Motorradfahrer teilen sich den Raum. Das führt nicht nur zu Nutzungskonflikten sondern häufig auch zu hohen Unfallzahlen.
Die Unfälle mit Personenschäden sind zwar in den letzten Jahren in Brandenburg (Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg; Statistischer Bericht, Straßenverkehrsunfälle im Land Brandenburg Dezember 2006 u. 2007) sowohl insgesamt als auch innerörtlich gesunken, jedoch nehmen sie innerhalb der geschlossenen Ortschaft den größten Anteil (> 60 %) ein. Dort sind auch über die Hälfte aller Verunglückten (ca. 60 %) zu beklagen. Davon liegt der Anteil aller Verletzten innerorts bei ca. 60 %. Von allen getöteten Personen kommen etwa 20 % auf die Ortslagen.
Diese bedenklichen Zahlen werden im Kinderunfallatlas der Bundesanstalt für Straßenwesen bekräftigt. In ihm ist die regionale Verteilung der Kinderunfälle in Deutschland auf der Basis der Daten aus den Jahren 2001 bis 2005 dargestellt. Danach gab es je 100.000 Einwohner nach Bremen und Hamburg in Brandenburg die meisten verunglückten Kinder. Diese sind vor allem auf Rad fahrende Kinder zurückzuführen.
Es stellt sich die Frage: Wie lassen sich nach bisher vorgenommenen umfänglichen Maßnahmen der stadt- und Verkehrsplanung (Verkehrberuhigung) und des technischen Fortschritts (passiver Schutz an Kfz) die innerörtlichen Unfallzahlen weiter reduzieren? Die gängigen Möglichkeiten stoßen dabei rasch an ihre Grenzen.
Einen neuen Weg sieht dafür Shared Space vor.
Shared Space heißt „gemeinsam genutzter Raum“ und ist ein neuer Ansatz in der Stadt- und Verkehrsplanung.
Das Hauptanliegen von Shared Space besteht darin, eine Lösung für den Erhalt und die Verbesserung der räumlichen und sozialen Qualitäten der bebauten und unbebauten Umgebung zu finden.
Shared Space beinhaltet neue Ausgangspunkte für den Gebrauch, den Entwurf und die Unterhaltung der Strassen und der öffentlichen Räume und hebt die herkömmliche Trennung der verschiedenen räumlichen Funktionen auf. Das entscheidende Merkmal ist, dass Verkehrsschilder, Fußgängerinseln, Ampeln und andere Barrieren nicht mehr nötig sind.
In Shared Space fügen sich Autofahrer rücksichtsvoll ins menschliche Miteinander von Fußgängern, Radfahrern und spielenden Kindern ein und werden Teil des gesamten gesellschaftlichen und kulturellen Kontextes.
Shared Space bedeutet auch neue Planungs-, Entwurf- und Entscheidungsprozesse unter aktiver Einbeziehung aller beteiligten Parteien, also auch der Bürger.
Shared Space bietet die Möglichkeit, Strassen sicherer zu machen, gesellschaftliche Trennungen aufzuheben, die Attraktivität der Städte und Gemeinden zu erhöhen und damit nicht zuletzt der Wirtschaft einen Impuls zu geben.
Share Space richtet sich dabei nicht auf die Verdrängung des motorisierten Verkehrs, der mit all seinen Vor- und Nachteilen immer ein maßgeblicher Faktor in der Nutzung des öffentlichen Raumes bleiben wird. Anstatt jedoch wie bisher die Einrichtung unserer Städte, Dörfer und Landschaften aus der Perspektive der Verkehrsplanung zu steuern, wird im Rahmen des Projektes nach Möglichkeiten gesucht, den Menschen und die räumlichen Qualitäten als steuernde Parameter einzusetzen.
Shared Space wurde von Hans Monderman (verstorben am 07. Januar 2008) entwickelt und in konkreten Projekten weiter ausgearbeitet. Mit seinem Expertenteam leitet(e) er auch das europäische Projekt Shared Space und hat es in 7 Gemeinden umgesetzt, so in den Gemeinden Haren und Emmen, sowie die Provinz Fryslân in den Niederlanden, die Städte Oostende in Belgien, Bohmte in Deutschland, Ejby in Dänemark und Ipswich in England.


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